
Das Festival eröffnet in den leuchtenden Farben Spaniens, im berauschenden Rhythmus des Tanzes. Neben den emblematischen Gestalten Granados, Albéniz und de Falla — die aus der Volkstradition eine neue musikalische Sprache formten — ehrt dieses Konzert auch Padre Soler, eine große Barockgestalt, und Gaspar Cassadó, einen virtuosen Cellisten und Komponisten wegweisender Werke für sein Instrument.
Die zwölf „Danzas españolas“ (1888–1890) gehören zu Granados’ meistzitierten Werken. Jedes Stück erweckt einen anderen Aspekt spanischen Volkslebens und Tanzes. „Oriental“ entfaltet eine träge, melancholische Melodie mit maurischem Einschlag. „Andaluza“ fängt die feurige Energie des andalusischen Flamenco mit treibenden Rhythmen. „Arabesca“ schließt mit eleganter Boléro und ornamentalen Arabesken über einem wiegenden Dreiertakt.
Iberia (1905–1909) ist Albéniz’ Krönungswerk, eine Suite von zwölf Klavierstücken von außergewöhnlicher Virtuosität und Klangfarbe. „Evocación“ eröffnet den Zyklus mit zarter, impressionistischer Reverie, die die duftende Luft Andalusiens heraufbeschwört. „El puerto“ ist eine schillernde Darstellung des Hafenstädtchens Santa María, getrieben von Bulerías-Rhythmen und klarer melodischer Erfindung.
1919 für Arthur Rubinstein komponiert, ist die Fantasia Baetica de Fallas anspruchsvollstes Klavierwerk. Der Titel verweist auf den römischen Namen Andalusiens (Baetica). Das Stück führt die rohe Energie des Cante jondo durch eine moderne harmonische Sprache in ein greifbares Portrait der andalusischen Tradition. Es fordert enorme Virtuosität und spannt einen Bogen von gewaltsamen Ausbrüchen bis zu flüsternd intensiven Momenten.
Das Fandango von Padre Antonio Soler ist eines der berühmtesten Tastenwerke des spanischen Barock. Um 1775 geschrieben, erfasst dieses elektrisierende Stück den hypnotischen Geist des populären Fandango durch beharrliche Rhythmen, strahlende Läufe und eine steigende Intensität bis zum mitreißenden Höhepunkt. Es verbindet die Tradition Scarlattis mit dem aufstrebenden spanischen Nationalstil.
1926 geschrieben, ist die Suite für Violoncello solo Cassadós persönlichstes Werk für sein Instrument. Als Schüler Casals’ bezieht Cassadó katalanische Volkstraditionen ein — namentlich die Sardana, den Nationaltanz Kataloniens — und erforscht das gesamte Ausdrucks- und Technikspektrum des Violoncellos. Das Preludio-fantasia eröffnet mit dramatischer Deklamation, die Sardana evoziert gemeinschaftlichen Tanz, das Finale steigert die Energie über ein Intermezzo bis zu einem virtuosen Schluss.
1914 komponiert, sind die „Siete canciones populares españolas“ de Fallas beliebtestes Vokalwerk. Jedes Lied schöpft aus einer anderen regionalen spanischen Volkstradition — vom maurisch angehauchten „El paño moruno“ über die leidenschaftliche „Asturiana“ bis zur verspielten „Jota“ aus Aragon. De Falla verfremdet diese Melodien mit anspruchsvollen, transparenten Klavierbegleitungen, die ihre Volkswurzeln bewahren und sie ins Konzert heben.