
Piano
Mit einem singulären Werdegang entwickelt die Pianistin Natacha Kudritskaya eine Klavierästhetik, in der sich textliche Strenge und tiefe poetische Freiheit verbinden. Schon früh verläuft ihr Weg zwischen der Ukraine und Frankreich, einem Land, mit dem sie seit der Kindheit eine intime Verbindung pflegt. Von wiederholten Aufenthalten in Burgund bis zu ihren Studienjahren am Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris wird Frankreich ihr zweites Zuhause. Heute in Marseille lebend, gründet sie dort ihre Familie und tritt auf internationalen Bühnen auf – während sie ein lebendiges, unverzichtbares Band zur Ukraine bewahrt.
Ihre pianistische Ausbildung wurde von entscheidenden Begegnungen geprägt. Alain Planès, ihr erster Lehrer, vermittelte ihr den Geschmack an Eleganz und stilistischer Verfeinerung. Jacques Rouvier vertiefte die Texttreue und die Präzision der Geste. In Budapest eröffnete die Begegnung mit Ferenc Rados eine neue Dimension ihrer Arbeit: „zwischen den Noten lesen“, die unsichtbare Architektur der Musik verstehen. Schließlich rüttelte Henri Barda ihr Verhältnis zum Klavier auf und forderte radikale Intensität im Dienst des Wesentlichen: dass die Musik herrsche.
Natacha Kudritskaya wird regelmäßig in großen Sälen und auf Festivals in Frankreich und Europa eingeladen: Wigmore Hall London, Sheldonian Theatre Oxford, Concertgebouw Amsterdam, Cité de la Musique Paris, Philharmonie Helsinki, Elbphilharmonie Hamburg, Philharmonie Kiew, Flagey Brüssel und Konzerthaus Wien.
Ihr Spiel – zugleich intensiv und tief reflektiert – entfaltet sich im Recital, in der Kammermusik und mit Orchester gleichermaßen.
Sie arbeitet mit zahlreichen europäischen Orchestern zusammen, darunter dem Philharmonischen Orchester Brüssel, dem Kyjiwer Symphonieorchester, der Tapiola Sinfonietta, dem Oxford Symphony Orchestra, Camerata RCO und dem Orchestre Victor Hugo.
Kürzlich trat sie mit dem Orchester der Oper Toulon auf (Prokofjews 2. Klavierkonzert sowie Mozarts Konzerte, die sie vom Klavier aus leitet). Mit dem Orchestre national de Cannes interpretiert sie Sergei Bortkiewicz’ 2. Klavierkonzert und trägt dazu bei, dieses Werk des ukrainischen Komponisten in Europa bekannter zu machen.
Das französische Repertoire steht im Mittelpunkt ihres künstlerischen Wegs. Das Werk Jean-Philippe Rameaus markierte einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Umgang mit der Tastatur und nährte eine Reflexion über Klang, Zeit und musikalische Rhetorik. Sie widmete ihm zwei Einspielungen: eine erste CD 2009, neben Werken von Luciano Berio, und eine zweite 2012 bei 1001 Notes. 2015 unterschrieb sie bei Universal Music und veröffentlichte das Album „Nocturnes“ bei Deutsche Grammophon.
Ihre Diskografie umfasst zahlreiche Kammermusikprojekte in sehr vielfältigen Welten: die Enescu-Sonaten mit dem Violinisten Daniel Rowland, ein Programm französischer Musik, „Les Années folles“ sowie Chaussons Konzert, ebenfalls mit Daniel Rowland.
Im April 2026 erscheint bei 1001 Notes ein neues Album, François Couperin gewidmet, und setzt ihren Dialog mit den Wurzeln der französischen Tastenmusik fort.
Überzeugt, dass Vermittlung im Beruf des Musikers steht, gibt Natacha Kudritskaya der Lehre einen zentralen Platz und wird regelmäßig zu Meisterkursen in Frankreich und im Ausland eingeladen. Sie initiierte das Projekt „Music Chain For Ukraine“, das ukrainische Musikerinnen und Musiker durch Benefizkonzerte in Europa unterstützt; sie trägt die künstlerische Vision und Leitung.